Der Fall Bernoulli (1938)

 

 Zitiert aus

WSZ 
Erlebnisse und Begegnungen 

von
a. Nationalrat

Werner Schmid
Zürich

Verlag Peter Meili & Co. 
Schaffhausen (1973)

Leserbriefe

Autor: Ruth Binde 

"Lex Bernoulli"

Was auf der Netzhaut bleibt, TA vom 26. 11.1997

Mit Interesse habe ich den Bericht über die Ausstellung der Skizzenbücher des Basler Architekten Hans Bernoulli im Architekturmuseum Basel gelesen. In Zürich erinnern ja heute noch die "Bernoulli-Häuser" an ihn.

Ursina Jakob erwähnt auch sein Engagement für die Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell. Sie hat ihn tatsächlich seine ETH-Professur für Städtebau gekostet. Nicht nur, dass ihn die Kündigung an Weihnachten 1938 erreichte, sein Gegenspieler, Bundesrat Philipp Etter, ging noch weiter. Eine eigens für diesen "Fall" geschaffene Reglementsänderung vom 27. März 1939 - später als "Lex Bernoulli" bekannt - untersagte Hans Bernoulli das Weiterführen des Professorentitels.

Als Kind habe ich Hans Bernoulli gekannt, denn er gehörte zum engsten Freundeskreis meines Vaters Fritz Schwarz, ebenfalls ein bekannter Exponent der Freiwirtschaftslehre. Es erfüllt mich heute mit Genugtuung zu sehen, um wieviel die Freiwirtschafter ihrer Zeit voraus waren, ob es sich nun um die Zinsproblematik, die Bodenspekulation oder um die Bedeutung eines festen Frankenkurses handelt.
Autor: RUTH BINDE, ZÜRICH